Zehn Alben, die meinen Musikgeschmack beeinflusst haben – 01

Möglicherweise geistert Corona bedingt derzeit eine nette Aufgabe durch das Soziale Netzwerk facebook.

Bekannte, Freunde fordern einander auf, die zehn Alben zu benennen, die den eigenen Musikgeschmack maßgeblich beeinflußt haben. Ich wurde von Julia D. gebeten, mich diesbezüglich zu äußern. Erklärungen und ähnliches waren beim social networking auf facebook ausdrücklich nicht erwünscht. Ich hole sie deshalb andernorts, nämlich hier, nach.

Set the task of choosing ten albums that have influenced my taste in music. One album per day, for ten consecutive days. No explanations, no review –  just covers.


David Bowie – Aladdin Sane (1973)

Das war mein erstes Bowie-Album als Vinyl. Ein Weihnachtsgeschenk meiner Eltern aus dem Jahre 1973, auf meinen besonderen Wunsch hin. Aufwändig gestaltetes Klappcover, als Innenansicht der schmale David Bowie. Der farbige Blitz ist omnipräsent. Es ist Glam Rock angesagt – Männer tragen Schuhe mit hohen Absätzen und fangen an, sich zu schminken.

Von all diesen Oberflächlichkeiten abgesehen, ein heute noch immer erstklassiges Album von David Bowie.

Meine Anspieltipps: Watch that man, Drive-in-Saturday, Panic in Detroit und Time.

Von diesem Zeitpunkt an habe ich mir – in der Phase weit vor dem Verkaufsbeginn der Compact Disc – noch einige Alben von David Bowie als Vinyl gegönnt.



Genesis – The Lamb Lies Down On Broadway (1974)

Mit diesem Album – Ende 1974 erschienen – entdeckte ich Genesis für mich. Der Bruder meines Jugendfreundes Winfried hatte es 1974 zu Weihnachten geschenkt bekommen. Wir besaßen unsere ersten Stereo-Anlagen von Grundig. Dieses epochale Werk von Genesis  auf Zweifach-Vinyl führte dazu, dass ich mir den Backkataog dieser britischen Band genauer ansah. Vieles davon sprach mich an.

Mein lieber Freund Winfried sah Genesis mit Peter Gabriel seinerzeit beim Konzert auf dem Killesberg in Stuttgart im April 1975 und schwärmte bildhaft davon.

Wenige Wochen später verließ Peter Gabriel die Band. Keine Anspieltipps – hört Euch “The Lamb” vom ersten bis zum letzten Ton an. Besser als zu diesem Zeitpunkt waren Genesis nie mehr, erfolgreicher sicherlich!


Yes – Yessongs (1973)

Nach der Schule hört eich regelmäßig den bei uns etwas verrauschten Südwestfunk. Zwischen 14:00 und 17:00 gab es dort ein exquisites Musikprogramm. Mit dem eigenen Cassettenrecorder schnitt ich einiges mit. Irgendwann auch “And You And I” von Yes. Und ich war fasziniert von Jon Andersons hoher Stimme. Es gab damals im Radio – nicht immer – unendlich viel Zeit für Songs von epischer Breite. Für den Prog-Rock hatte ich ganz fix eine Antenne entwickelt.

Cover-Art von Roger Dean und ein Logo, das mir meine Mutter damals auf die rechte Gesäßtasche meiner dunkelblauen Cord-Jeans stickte.

Das Dreifach-Vinyl speist sich aus The Yes Album, Fragile und Close To The Edge. Tastenzauberer Rick Wakeman spielt ein Exzerpt seines Solo-Albums The Six Wives of Henry VIII.


The Doors – Absolutely Live (1970)

Ich entdeckte das Doppel-Album für mich etwa 1973, auch wieder über meinen Jugendfreund und dessen Bruder.

Jim Morrison lag zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise. 1988 besuchte ich natürlich seine Grabstätte, die längst zum Pilgerort geworden war.

Das Album ist eine Zusammenstellung mehrerer Live-Auftritte der Band. Ich finde Absolutely Live bis heute absolut großartig, nicht nur wegen des apokalyptischen “The End”.
 
Es gab im Zeitalter der CD einige posthume Live-Veröffentlichungen der Doors. Das 50 Jahre alte Vinyl ist die Essenz all dessen. Werde es mir gelegentlich noch als Vinyl zulegen und mich an die guten alten Zeiten erinnern.
Neil Young – After The Gold Rush (1970)
 
Habe Neil Young für mich erst mit Erscheinen seines nachfolgenden Albums Harvest und dem damligen Radiohit Heart Of Gold entdeckt.
 
Mir gefällt After The Gold Rush noch besser als Harvest, auch wenn ich in Sachen Neil Young – Backkatalog insgesamt echt vollständig ausgestattet bin.
 
Ich liebe diese recht einfachen Songs zur akustischen Gitarre sehr. Keine besonderen Anspieltipps bei nur knapp 35 Minuten Lauflänge.
 
Vielleicht doch einen ganz besonderen: “Only Love Can Break Your Heart”! Er klingt bis heute nach!
 
Über Neil Young gab es dann für mich alle möglichen Querverbindungen, natürlich zu Crosby Stills Nash & Young und zu diversen Southern Rock Bands.
Peter Gabriel – So (1986)
 
Alle, die mich so einigermaßen kennen, wissen natürlich,  dass ich ein großer Fan von Peter Gabriel bin. Sein offizieller Backkatalog dürfte kaum wesentliche Lücken in meinem Plattenschrank und CD-Regal aufweisen. Alle gängigen Formate und vielerlei Sondereditionen habe ich über die Jahre erworben.

Mit So lieferte Gabriel meines Erachtens sein Meisterwerk ab.
 
Auf diesem Album schaftt er es, aus allen ihn inspirierenden Quellen zu schöpfen. Eine unglaubliche Vielfalt wird hörbar. Die Ära Genesis ist komplett überwunden.
 
Mein Wunsch nach einer Wiedervereinigung war von da an restlos erloschen. Bin auch sehr froh, dass Gabriel selbst dieser Versuchung erfolgreich widerstanden hat. Alles hat eben seine Zeit!

Das zugehörige Konzert habe ich seinerzeit 1987 mit meiner Frau in der Stuttgarter Schleyerhalle erlebt. Im Jahr 2013 hatte ich dann das unfaßbar große Glück, meinen “Helden” aus dem Fotograben der Stuttgarter Schleyerhalle fotografieren zu dürfen.

Ich schätze Peter Gabriel als Künstler noch immer sehr, auch sein glaubwürdiges Engagement in Sachen Menschenrechte.
Laurie Anderson – Mister Heartbreak (1984)
 
Durch Zufall bin ich auf dieses Album bei Studienkollegen gestoßen und bin Laurie Anderson sofort verfallen.
 
Auf dem zweiten Studioalbum der US-amerikanischen Performance-Künstlerin befindet sich interessanterweise “Excellent Birds”, das sie zusammen mit Peter Gabriel eingespielt hat. Er selbst übernahm seine Version des Tracks als This Is The Picture kurze Zeit später auf sein Album So (1986).

Natürlich habe ich mir im Nachgang auch noch das Album Big Science von Laurie Anderson gegönnt.

Auch ansonsten ist mein Backkatalog von Laurie Anderson gut bestückt. 2005 lauschte ich mit einem Freund Laurie Anderson solo bei einer Performance im Brooklyn Art Centre, New York. Beeindruckend!
 
Tom Waits – Rain Dogs (1985)
 
Über die beiden Road-Movies von Jim Jarmusch – Stranger Than Paradise und Down By Law – landete ich zuerst bei John Lurie, wenig später bei Tom Waits.
 
Mit Rain Dogs und dem unbedingten Anspieltipp Downtown Train hat Tom Waits mich nachhaltig beeindruckt. Meine Frau flieht regelrecht vor Tom Waits, ich mag diese tiefe Säuferstimme, das etwas schnoddrige Aussehen von Waits dafür umso mehr.

Die rauen, immer etwas ungeschliffen wirkenden, Songs haben Seele.

Auch hier hat sein umfangreicher Backkatalog deutliche Spuren im Regal hinterlassen.
Talking Heads – Stop Making Sense (1984)

Erst den Film im Audimax der TH Darmstadt angesehen und tagsdrauf das Filmplakat im Foyer des FB Architektur fachgerecht von der Wand gelöst.

Die Alben Remain In Light und Speaking in Tongues waren sozusagen die Einstiegsdrogen, mit Stop Making Sense wurde der gesamte Backkatalog aufgearbeitet.
 
Das Album ist zweifellos sehr gut, der Film dazu von Jonathan Demme zählt für mich zu den besten Musikfilmen überhaupt.

Ich bekomme jetzt noch Gänsehaut, allein bei dem Gedanken, wie David Byrne die Bühne betritt, den kleinen Radiorecorder abstellt und anfängt, Psychokiller auf der akustischen Gitarre zu spielen. Ein Meisterwerk!


Miles Davis – Ascenseur Pour L’echafaud (1957)
Mehr oder weniger zufällig stieß ich auf diesen bemerkenswerten Soundtrack.

Es war im Juli 1991. Meine Frau und ich machten Uraub gemeinsam mit Holger und seiner Freundin in Schottland.

Mit einem alten VW Golf hat wir uns durch dieses schöne Land bewegt. Bed & Breakfast stand täglich an. Nach dem Abendessen dann etwas Zerstreuung. Meine Frau und ich machten es uns an einem Abend im Wintergarten unserer Bleibe mit Blick auf den benachbarten See gemütlich. Die Sonne ging unter, die Boote schaukelten im leicht bewegten Wasser. Ich machte den Fernseher an, Fahrstuhl zum Schafott wurde in der französischen Originalfassung mit englischen Untertiteln angeboten. Wir waren fasziniert von Film und Filmmusik. Im Abspann wurde angemerkt, dass Miles Davis, der nur wenig später, am 28. September 1991 starb, den Soundtrack geliefert hat.

Holger ist bis heute ein überzeugter Miles Davis Fan. Tagsdrauf sprach ich ihn diesbezüglich an. Ihm war das natürlich längst bekannt, dass Miles Davis diesen superguten Schwarz-Weiß-Film mit seiner Musik veredelt hatte. Die zugehörige (expanded) CD von Holger überspielte ich daheim angekommen auf Cassette, wenig später habe ich sie mir natürlich ebenfalls zugelegt. Auch in Sachen Miles Davis bin ich mittlerweile sehr gut ausgestattet.


© Gerald Langer
 
 
gerald Verfasst von:

„Chef-Redakteur“ dieses „Ein-Mann-Betriebes“ | inhaltlich verantwortlich für music-on-net.de (Magazin), music-on-net.photography (Konzertfotografie) und music-on-net.com (persönlicher Musikblog)

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