Eric Clapton: Unplugged

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© Eric Clapton – Unplugged – Warner Music

Eric Clapton

Albumtitel: Unplugged
Veröffentlichungsjahr: 1992
Vertrieb/Label: Warner Bros.
Homepage: https://ericclapton.com


Rezension

Als Eric Clapton am 16. Januar 1992 die Bühne in den Bray Film Studios in Windsor, England, für die Aufzeichnung seiner „MTV Unplugged“-Session betrat, konnte niemand ahnen, dass dieser Abend Musikgeschichte schreiben würde.

Die „MTV Unplugged“-Reihe war zu diesem Zeitpunkt bereits ein etabliertes Format, das Künstler:innen eine Plattform bot, ihre Musik in einem rein akustischen Gewand zu präsentieren. Doch Clapton’s Auftritt sollte das Konzept auf ein neues Level heben und zu einem der erfolgreichsten Live-Alben aller Zeiten führen.

Ein Wendepunkt in Claptons Karriere

Die frühen 1990er Jahre waren für Eric Clapton eine Zeit persönlicher und künstlerischer Neufindung. Gezeichnet vom tragischen Unfalltod seines vierjährigen Sohnes Conor im Vorjahr, kanalisierte er seine Trauer in die Musik.

Das Ergebnis war unter anderem die herzzerreißende Ballade „Tears in Heaven“. Ursprünglich zögerte Clapton, das Live-Album zu veröffentlichen, da er befürchtete, es würde nicht den Erwartungen seiner Fans entsprechen, die ihn primär als E-Gitarren-Virtuosen kannten.

Doch der immense Erfolg belehrte ihn eines Besseren. Das Album zeigte einen reiferen, in sich ruhenden Künstler, der seine Rock-Persona ablegte und sich auf die Wurzeln seiner musikalischen Inspirationen besann: den Blues.

Die Atmosphäre des Konzerts war entspannt und intim. Clapton scherzte mit dem Publikum, etwa als er die neu arrangierte Version von „Layla“ mit den Worten ankündigte: „Mal sehen, ob ihr das hier erkennt“.

Diese lockere und menschliche Art, die auch Pannen wie einen abgebrochenen Start bei „Alberta“ einschloss, trug maßgeblich zum Charme der Aufnahme bei. Man hat das Gefühl, als unsichtbarer Gast einer privaten Session beizuwohnen.

Die Musik: Eine Reise zu den Wurzeln

Das Album ist eine meisterhafte Mischung aus neu interpretierten Klassikern, tiefgründigen Eigenkompositionen und einer Hommage an die alten Meister des Blues. Statt auf elektrische Gitarren-Soli setzte Clapton auf die Finesse seines akustischen Spiels, unterstützt von einer exzellenten Band.

Das Herzstück des Albums sind die Blues-Cover.

Clapton verneigt sich vor seinen Idolen mit Interpretationen von Songs wie „Before You Accuse Me“ von Bo Diddley, „Hey Hey“ von Big Bill Broonzy und „Walkin‘ Blues“ von Son House.

Besonders beeindruckend ist die rohe Energie von „Rollin‘ and Tumblin'“, einem Klassiker von Muddy Waters, der beweist, dass akustische Musik nicht an Intensität verlieren muss.

Mit Stücken wie „Nobody Knows You When You’re Down and Out“ von Jimmy Cox oder „Malted Milk“ von Robert Johnson demonstrierte Clapton seine tiefe Verbundenheit mit diesem Genre.

Neben den Blues-Standards präsentierte Clapton auch eigene Stücke in einem neuen Licht. Der Opener „Signe“ ist ein beschwingtes Instrumentalstück mit Calypso-Anklängen, das die lockere Stimmung des Abends vorgibt. Songs wie „Lonely Stranger“ fügen sich nahtlos in das ruhige, akustische Konzept ein.

Die größten Gänsehautmomente liefern jedoch zwei seiner bekanntesten Songs. „Tears in Heaven“, geschrieben zusammen mit Will Jennings, wird in einer fast perfekten, zutiefst emotionalen Version dargeboten, die die tragische Geschichte hinter dem Song spürbar macht.

Die größte Überraschung war jedoch die radikale Neuinterpretation von „Layla“. Der ursprünglich als schmerzvoller Aufschrei konzipierte Rockklassiker von Derek & The Dominos wurde in einen gemütlichen, bluesigen Shuffle verwandelt. Diese entschleunigte Version wurde zu einem der größten Hits des Albums und zum Symbol für die Neuerfindung dieses Künstlers im mittleren Lebensalter.

Erfolg und Vermächtnis

„Unplugged“ wurde ein phänomenaler Erfolg. Das Album erreichte Platz eins der Billboard 200 Charts, verkaufte sich allein in den USA über zehn Millionen Mal und wurde mit sechs Grammys ausgezeichnet, darunter für das Album, die Platte und den Song des Jahres („Tears in Heaven“).

Der Erfolg des Albums etablierte die „MTV Unplugged“-Reihe endgültig als eine erstklassige Plattform für Künstler, die sich von einer anderen, verletzlicheren Seite zeigen wollten.

Auch klanglich setzte das Album Maßstäbe und gilt bis heute als audiophile Referenzaufnahme. Die Produktion fängt die Live-Atmosphäre perfekt ein und besticht durch einen vollen, reichen und dreidimensionalen Klang, der die Instrumente und Clapton’s Stimme klar im Raum positioniert.

Auch über 30 Jahre nach seiner Veröffentlichung hat das Album nichts von seiner Faszination verloren. Es ist weder reiner Rock noch reiner Blues, sondern ein zeitloses Werk, das durch seine entspannte Atmosphäre und musikalische Brillanz besticht.

„Unplugged“ ist nicht nur eines der wohl besten Live-Alben der Musikgeschichte, sondern auch das Porträt eines Ausnahmemusikers auf dem Höhepunkt seiner künstlerischen Reife, der Frieden mit seiner Vergangenheit schließt und zu seinen Wurzeln zurückfindet.

Es ist ein Album, das beweist, dass die wahre Kraft der Musik oft in der Stille und Reduktion liegt.

Der Live-Auftritt wurde Ende März 1992 von MTV übertragen. Meine Frau und ich hatten unsere Tochter in der „Baby-Tragetasche“ zu Freunden mitgenommen. Dort sahen wir uns gemeinsam den phänomenalen Auftritt von Eric Clapton an.

Ich besitze ein CD-Bootleg dieses Auftrittes, bevor das Album einige Zeit später doch noch offiziell erschien. Später kamen dann noch eine „Expanded Edition“ und Vinyl dazu.

Autor: Gerald Langer


Tracklist

  1. Signe (Eric Clapton) – 3:13
  2. Before You Accuse Me (Ellas McDaniel) – 3:44
  3. Hey Hey (Big Bill Broonzy) – 3:16
  4. Tears in Heaven (Clapton, Will Jennings) – 4:36
  5. Lonely Stranger (Clapton) – 5:27
  6. Nobody Knows You When You’re Down and Out (Jimmy Cox) – 3:49
  7. Layla (Clapton, Jim Gordon) – 4:46
  8. Running on Faith (Jerry Lynn Williams) – 6:30
  9. Walkin‘ Blues (Son House) – 3:37
  10. Alberta (Traditional, arr. by Clapton) – 3:42
  11. San Francisco Bay Blues (Jesse Fuller) – 3:24
  12. Malted Milk (Robert Johnson) – 3:36
  13. Old Love (Clapton, Robert Cray) – 7:54
  14. Rollin‘ and Tumblin‘ (Muddy Waters) – 4:11

Line-Up

  • Eric Clapton: Gesang, Akustikgitarre
  • Andy Fairweather Low: Akustikgitarre
  • Ray Cooper: Percussion
  • Nathan East: Akustikbass, Begleitgesang
  • Steve Ferrone: Schlagzeug
  • Chuck Leavell: Keyboard
  • Katie Kissoon: Begleitgesang
  • Tessa Niles: Begleitgesang
  • Regie: Milton Lage

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